Der Wind
Eine Betrachtung
SEEGLASLANDESTEG
Leander Linnhoff
1/16/20261 min read


Der Wind
Immer wieder sagt man dir,
der Wind wisse nicht,
woher er komme oder wohin er ginge.
Er wisse nicht einmal, warum er wehe.
Ich sage dir: ich glaube das nicht.
Denn der Wind trägt.
Hast du jemals einen Wind aus Süd gespürt,
der den Sand der Wüste fein körnig
mit sich trägt, Meilen über Meilen
nach Norden?
Der nach Orangen duftet,
nach Zitronen und Schmetterlingen,
wie sie die mediteranen Gärten bevölkern?
Hast du je den Ostwind gespürt,
hart und unbarmherzig wie
die offenen Weiten der Steppe,
der nach Rauch und Tee riecht und den
Wildgräsern des Balkan?
Oder kennst du den Nordwest,
der Regen von den Inseln bringt,
der den Himmel grünlich färbt
wie die Klippen und Steilküsten
und dessen Heulen dem Kreischen
der Seevögel gleicht, die in diesen Klippen
ihre Nester bauen?
Erinnerst du dich an den grimmen Nord,
der zornige Schneemassen peitschte,
die wie Nordlichter zu leuchten schienen
und eine weiße Zauberlandschaft hinterließen?
Ich sage dir: Der Wind weiß, wer er ist und wo er war.
Er ist es nur leid,
sich zu erklären.
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